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Ein sehr sehr kranker Mann
Ich habe sicherlich schon einiges gelesen und mit Sicherheit noch nicht alles. Hoffmann, Fontane, Shakespear, Twain und wie sie alle heissen mögen. Wie in so vielen Haushalten gibt es auch bei uns natürlich die (vornehm ausgedrückt) “Badezimmerlektüre". Bei mir besteht diese vorzugsweise aus der ACC (Clubzeitschrift des Andre Citroen Clubs), auf die ich nach dem fertiglesen immer sehnsüchtig warte. Im Augenblick liegt da ein Gedichtband von Bertolt Brecht auf den man immer mal wieder einen Blick werfen kann. Bisher habe ich ihn verschmäht und das einzige was mir jetzt beim Lesen einfällt ist, dass BB wohl ein sehr sehr kranker Mensch war. Ich habe ja schon viel gelesen, aber das jemand Gedichte über jemanden schreibt, der seine Mutter ermordet, die dann im Schrank vor sich hin modert ist mir echt noch nicht untergekommen. Mal ehrlich, wenn irgendwer sowas heute auf seinem Blog loslässt, kann er morgen mit Besuch rechnen. Der Meuchelmordende Mr. Messer scheint dagegen noch harmlos zu sein… Beispiele gäbe es sicherlich noch viele, die einfach diesen Gedanken verstärken und man fragt sich einfach, wie kommt jemand auf solch Blutrünstige Gedanken? Wie weit ist der Schritt von einer Verarbeitung im Lyrischen bis zur Tat? Nimmt man sich einfach irgendwelcher Themen aus den Tageszeitungen an oder macht man sich wirklich Gedanken darüber? Tja, man wird ihn schlecht fragen können aber es bleibt festzustellen, dass die Welt schon immer ein klein wenig pervers war und der Unterschied zu heute wahrscheinlich nur darin zu suchen ist, dass es in den Medien breitgetreten wird anstatt todgeschwiegen zu werden…
et Biedl