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Taxi Taxi
Gestern Abend Heute Morgen stellte sich nach reichhaltigem Genuss hopfenhaltiger Kaltgetränke mal wieder die Frage des Heimkommens. Früher war das ja kein Problem, entweder schwang man sich auf sein Pferd, ließ sich darauf festbinden und hoffte, dass es den Weg zurück zum Stall von sich aus finden würde oder man ging mangels Pferd zu Fuß und hoffte einfach, dass man nicht zwischenzeitlich irgendwo eine Böschung runterkullern würde. Aus der Not machte man eine Tugend und so wurde das Auto erfunden. Leider übersah man einen wichtigen Faktor und es stellte sich heraus, dass dieses Gefährt in Verbindung mit alkoholisierten Bedienern wenig geeignet war. Wer schon mal so eine alte Kiste mit einer Handkurbel angeworfen hat, weiss wovon ich Rede. Doch dank dem Einfallsreichtum deutscher Erfinder konnte man irgendwann auch diese Hürde beseitigen und so fuhr man eben in Schlangenlinien Richtung Heimat und hoffte inbrünstig, dass dieses mal nicht schon wieder ein Baum mitten auf die Straße springt. Die Autos wurden schneller und schneller und wundersamer weise passten sich die Bäume diesen Geschwindigkeiten an und hüpften eben noch schneller und heimtückischer auf die Straße. Genau da lag dann mein Problem, da mir von vornherein klar war, dass ich durch einen Wald muss um heimzukommen. Zu Fuß… viel zu gefährlich, was wenn ein Baum gerade vor ein Auto hüpft während ich im Wege stehe? Öffentliche Verkehrsmittel Nachts um 3 nicht existent (die Fähigkeit der totalen Abwesendheit haben die auch tagsüber, ich weiß), also was tun? Gut wenn man nun in Marburg wohnt, die Stadt der Dichter, Denker und Taxifahrer. Jedem, der schon einmal durch Marburg gefahren ist, muss zwangsläufig auffallen, dass hier mindestens 3 Taxen auf einen Einwohner kommen. Das Problem ist einfach nur, wenn man mal eins braucht ist entweder permanent bei der Taxizentrale besetzt oder aber, sollte man denn das unverschämte Glück haben durchzukommen, gerade keines verfügbar und so muss man dann stundenlang warten. Aber nein ich hatte Glück, ich kam durch und mir wurde freundlich gesagt, dass das Taxi in 15 Minuten da wäre. Nachdem vor lauter lachen kaum noch Luft bekam, öffnete ich erst noch mal ein Bier. Zehn Minuten später war dies in meinem Magen verstaut und ich wurde misstrauisch… “War der wirklich gerade freundlich am Telefon?” Vorsichtshalber ging ich dann doch an die Straße und zündete mir eine Kippe an, die ich nicht mal halb geraucht hatte als das Taxi um die Ecke bog und vor meinen Füßen hielt. Selbstredend klaffte mir die Kinnlade herunter und ich hielt erstmal nach Kameras Ausschau. In Erwartung, dass jeden Augenblick jemand “April April” rufen würde, stieg ich ein und schaute in das grinsende Gesicht eines türkischen Mitbürgers. Schneeweisses Haar und ein ebensolcher Vollbart bedeckten sein Haupt und mir schoss schlagartig durch den Kopf: “Jaaa, Gott ist Türke und sitzt gerade neben mir". Es konnte auch gar nicht anders sein, denn als ich ihm in der international anerkannten Ameisensprache erklärte wo ich hin wollte verstand der es auf Anhieb!!!! Er fuhr los, grinste mich an und sagte: “War isch dem schnell da, ja? Fünf Minute, wirklich schnell". Ich stammelte murmelte summte ihm ein erstauntes “Minutiös” entgegen als er mich enttäuscht ansah und wiedersprach: “Fünf Minute, habe isch gestande bei Bremsspur als ruf kam, gefahre wie Henker” Ich konnte gar nicht anders wie ihm mit Tränen der Dankbarkeit in den Augen Recht zu geben, worüber er sich richtig freute. Ich brachte es einfach nicht über das Herz ihm zu erklären, dass es ziemlich exakt 15 Minuten waren, wo er sich doch so sehr darüber freute in fünf Minuten da gewesen zu sein…
et Biedl