Die Deutsche Dogge

Schreiben wir mal was allgemeines zu unserer Lieblingsrasse:

Die Deutsche Dogge

FCI Standard

Charakter

Wir umgehen mal das blablabla von wegen Erscheinungsbild und beschäftigen uns mit dem Wesentlichen. Der Charakter einer Deutschen Dogge ist sicherlich nicht einzigartig unter den Hunden, gepaart mit ihrer Größe und ihrem Gewicht allerdings schon eine besondere Konstellation. Die Deutschen Doggen, die ich kennen lernen durfte (meine mit eingeschlossen) entsprechen/entsprachen von ihrem Wesen ziemlich exakt der Beschreibung des FCI:

Freundlich, liebevoll und anhänglich gegenüber ihren Besitzern, Fremden gegenüber darf sie zurückhaltend sein (naja mehr oder minder 😁). Gefordert wird ein selbstsicherer, unerschrockener, leichtführiger (Erziehungssache, leichtführig ist die Deutsche Dogge nicht von Geburt an), gelehriger Begleit- und Familienhund mit einer hohen Reizschwelle, ohne Aggressivverhalten.

Grösse:

Rüden: Mindestens 80cm, 90cm sollten nicht überschritten werden.
Hündinnen: Mindestgröße 72cm, 84cm sollten nicht überschritten werden.

Hier hat man seitens Zucht wenigstens mal irgendwann nachgebessert und die Größe zumindest mit einem “soll nicht” reglementiert. Selbst mit 90cm Widerrist ist die Deutsche Dogge ein absoluter Riese und mehr an Größe wirkt sich äusserst negativ auf die Lebenserwartung aus. Es gibt ja immer die Diskussion welcher Hund nun der Größte ist, was völliger Schwachsinn ist und gar nicht beantwortet werden kann (Wer kann diese Statistik auch führen, nur weil Zeus, Titan, Giant George etc. Doggen waren, bedeutet das nicht, dass nicht im stillen Kämmerlein noch größere Hunde anderer Rassen existier(t)en). Was Doggen angeht sind sie in ihrer Kombination aus Größe und Gewicht schon ziemlich einzigartig und kaum mit einer anderen Rasse zu vergleichen. Holt man sich eine Dogge von einem seriösen Züchter müsste man schon extrem viel Pech haben, wenn die eigene Dogge plötzlich 1m groß oder größer ist.

Haltung

Futter

Bzgl. Fütterung mache ich keine Angaben, denn der eine schwört auf Barfen, der andere auf Trockenfutter und der nächste auf Frischfleisch. Entscheidet man sich eine Deutsche Dogge zu sich zu nehmen, sollte man auf jeden Fall ein paar Dinge beachten:

  • Ein Hund in der Größe braucht auch etwas mehr, egal von was.
  • Bei einem Welpen sollte man penibel auf die Fütterungsempfehlung des Züchters achten.
  • Magendrehung ist ein Thema und von daher lieber drei kleinere Mahlzeiten am Tag als alles auf einmal.
  • Rechnet mal mindestens 100€ im Monat für Futter ein (ohne Leckerlis).

Wohnen/Auslauf

Hier liest man extrem häufig was von das Haus darf keine Treppen haben, die Wohnung muss riesig sein und der Garten am Besten 60 Hektar groß. In der gleichen Reihenfolge lässt sich folgendes Festhalten. Eine 40qm Wohnung ist sicherlich ein bisschen Klein für eine Dogge. Generell sollte zumindest derPlatz da sein, dass sie sich auch mal drehen kann und etwas Platz da ist. Was Treppen angeht, diese sind im Wachstum absolut schädlich, also wenn es sein muss, dann den Hund so lange tragen wie es geht und danach das Treppensteigen auf ein absolutes minimum reduzieren. Diese Mär, ein Hund würde eine HD vom Treppensteigen bekommen ist Schwachsinn, HD ist eine Erbkrankheit. Allerdings sind Knochen, Bänder und Knorpel bei einem Welpen/Junghund noch alles andere als ausgeprägt und ein Sturz auf der Treppe oder zu viel Treppensteigen kann böse Folgen haben. Mit Maß geht das alles, allerdings sollte man es sich dreimal überlegen, wenn man in einer Mietwohnung im dritten Stock wohnt. Und nun zum Garten, wir hatten z.B. zweimal das Vergnügen einer Kreuzband-OP bei Attila und da ist es mehr wie nur praktisch, wenn mit wenigen Schritten eine Stelle zu erreichen ist, an der das Geschäft verrichtet werden kann. Ansonsten hat man in solchen Fällen ein Problem, denn eine ausgewachsene Deutsche Dogge trägt man nicht mal eben irgendwo hin und mit weit laufen ist da auch nichts. Was das angeht reichen ca. 20qm. Allerdings braucht eine Dogge auch im Alter ihre Bewegung und generell ist die Dogge nicht der Hund für einfach mal in den Garten lassen und gut ist. 3 Spaziergänge am Tag sollten schlichtweg sein und wenn man sie dabei noch beschäftigt ist alles gut. Was den Schlafplatz angeht, auch der braucht Platz. Wie z.B. Quintus sehr schön demonstriert benötigt eine Dogge nicht immer viel Platz, aber manchmal eben doch. Von daher muss man auch mal mindestens 1,4m x 1m einplanen, mehr schadet ebenfalls nicht. Eine ausgewachsene Dogge kommt schnell mal auf 2m wenn sie sich lang macht! Wir haben gleich 4 Plätze an denen Quinny rumlümmeln kann. Einen im Flur (man muss ja alles im Blick haben), einen im Wohnzimmer, einen im Arbeitszimmer und natürlich einen im Schlafzimmer. Eine Dogge ist kein Zwingerhund und sie möchte immer bei ihren Besitzern sein, von daher sollte man ihr auch die entsprechende Möglichkeit geben. Was Dogge und Sofa angeht gehen die Meinungen sicherlich auseinander. Bei uns ist das Sofa hundefreie Zone. Mit einem Welpen auf dem Sofa zu schmusen ist sicherlich eine schöne Sache, doch wenn da 80Kg Dogge das Sofa besetzen und man selbst in der letzten Ecke sitzen muss…

Welpe/Junghund

Ja, die Dogge hat einen tollen und sehr pflegeleichten Charakter. Dumm nur, dass weder der Welpe noch der Junghund davon etwas ahnt. Ganz im Gegenteil hat es ihnen bis dahin schlichtweg noch niemand erklärt. Auch wenn man ihnen zig Vorträge dazu hält, rumgedreht und vergessen beschreibt es am ehesten. Fragt man jemanden, der sich einen “normalgroßen Hund” geholt und großgezogen hat, bekommt man sehr häufig ein “Nie wieder” zu hören. Der Welpe ist generell süß und anstrengend. Hat man ihm zumindest ein bisschen Ruhe eingeimpft so freut man sich recht bald über einen Hund mit dem es eigentlich gut läuft. Doch nach wenigen Wochen schießen die Hormone ein und Monsieur scheint alles vergessen zu haben. Das gilt natürlich auch für Doggen und potenziert sich entsprechend aufgrund ihrer Größe. Und das schlimme ist, bis eine Dogge so weit ist, dass der oben beschriebene Charakter zum tragen kommt muss man erst einmal 1,5-2 Jahre Geduld aufbringen. Jetzt ist natürlich auch in der Phase nicht alles schlecht und nur nervig. Man muss allerdings bereit sein sich auch über die kleinen Fortschritte zu freuen. Bei einer Dogge kann man nicht alles unter die Decke hängen und daraus resultierend darf es einem auch nichts ausmachen, wenn man aus dem Nebenzimmer recht häufig ein “knack…knack…knack” zu hören bekommt. Geht man hin um nachzusehen, auf was er nun schon wieder rum kaut, schaut einen die Dogge völlig unschuldig mit geschlossenem Maul und ausgebeulten Lefzen an…

Die erwachsene Dogge

Hat man es also geschafft, seine Dogge groß zu ziehen, wird man mit einem phänomenal treuen Begleiter belohnt. Sicherlich hat auch der so seine Flusen im Kopf aber es wird viel rum gelegen und das Schmusen darf auf keinen Fall zu kurz kommen. Einen Haken hat die Sache allerdings noch. Doggen sind sensible, eigenwillige Dickköpfe. Mit ihnen zu schimpfen ist für sie schon eine Katastrophe. Wenn man etwas von ihnen will sagt man es am besten leise und häufig machen sie das dann auch 😨 . Und schon sind wir beim Dickkopf. Eine gut erzogene Dogge weiß wann es wichtig ist zu gehorchen und dann wird sie es auch tun. Ruft man sie allerdings wegen einer Kleinigkeit passiert ungefähr folgendes (und das kennt mit Sicherheit jeder Doggenbesitzer:

Besitzer: “Komm Hier”
Dogge: “Was, wer, ich????”
Besitzer: “Koooommmm”
Dogge: “Du hast nicht jetzt gesagt”
Besitzer: “Herrgott, hier her”
Dogge: -hinsetz-
Besitzer: “Wirst du wohl hier her kommen”
Dogge: -hinleg-
Besitzer: -entnervt- “Auf der Stelle hier hin”
Dogge: -mit der Pfote wedel-
etc.

Dieses Spielchen funktioniert natürlich nicht nur beim kommen, sondern wird von einer Dogge in vielen Situationen zelebriert. Und da heißt es jetzt Achtung, denn eine Dogge ist wie jeder andere Hund. Generell führt nicht konsequentes Handeln zu einem Hund der einem auf der Nase herumtanzt und somit benötigt man dann eine gewisse ausdauer. Hergerufen muss die Dogge kommen und nicht der Besitzer, sonst hat man schnell ein riesiges Problem an der Leine. Ein gute Wahl in so einem Fall ist es, gar nicht erst weiter zu rufen, sondern die Dogge anzustarren. Das braucht zwar auch etwas Zeit und führt erstmal zu rumgemaule, dann ergibt sie sich allerdings fast immer in ihr Schicksal und macht was sie soll.

Krankheiten

Die Deutsche Dogge leidet jetzt nicht unter völlig exotischen Krankheiten, allerdings sollte man schon auf eine seriöse Zucht achten um diverse Erbkrankheiten wie HD weitestgehend auszuschließen. Eine Garantie gibt es natürlich nicht und ansonsten können die Augen zu einem Problem werden, der Bewegungsapparat ist immer gefährdet und auch Krebserkrankungen können auftreten. Ich würde aber nicht sagen, dass eine Dogge Krankheitsanfälliger ist wie jeder andere Hund. Nur wenn eine Dogge etwas hat wird es auch richtig teuer. Medikamente werden nach Gewicht verabreicht und ein Rüde wird schnell mal zwischen 60KG und 80KG auf die Waage bringen. Besteht der Verdacht, die Dogge hätte ein Cauda-equina-Syndrom kostet die MRT auch schon mal 900 Euro.

Fazit

Mit einer Deutschen Dogge holt man sich einen treuen Begleiter mit einem ausgesprochen tollen Wesen ins Haus. Die Deutsche Dogge stellt allerdings auch Ansprüche und ist nicht mal eben mit einem Kleinwagen zum Tierarzt zu bringen. Gute Erziehung ist ein entscheidender Faktor, denn einen so großen Hund kann man nur mit viel Kraft halten. Der Finanzielle Faktor ist nicht zu unterschätzen und neben dem Futter spielen die Tierarztkosten eine nicht unwesentliche Rolle, da auch Impfungen und Entwurmungen eben gleich ein paar Euro mehr kosen. Auf jeden Fall bietet sich eine OP-Versicherung an. Man sollte sich sehr genau darüber Gedanken machen, ob man eine Deutsche Dogge halten kann und was damit verbunden ist. Will man eine Deutsche Dogge zu sich holen, stellt sich die Frage ob es eine Welpe oder ein bereits erwachsener Hund sein soll, der bereits das gröbste hinter sich gebracht hat. In den Tierheimen finden sich häufig Junghunde, die wegen Überforderung von ihren Besitzern abgegeben wurden. Meist sind sie gar nicht so schlecht ausgebildet und haben großes Potential, allerdings kann man ihnen eben auch nur vor den Kopf schauen und man muss sich im klaren sein, dass erstmal eine Bindung aufgebaut werden muss. Welpen holt man am Besten vom Züchter, Hinfahren, sich alles anschauen und auf sein Bauchgefühl hören hilft hier meistens. Auf keinen Fall sollte man “die Katze im Sack” kaufen, das geht doch häufig nach hinten los und ist für Mensch und Tier eine Belastung.

Nachtrag:

Eine ganz einfache Sache um festzustellen ob eine Deutsche Dogge zu einem passt habe ich noch vergessen:

  • Ich will mein Haus sauber und porentief rein haben
    -> Keine Deutsche Dogge
  • Sabber UAAAAAAAARRRRGGGSSS
    -> Keine Deutsche Dogge

et Biedl


Siehe auch