Problemhund Teil 2

Teil 1

So fangen wir mit den Gegenmaßnahmen an. Wir haben ja am einen Ende der Leine unerwünschte Auswirkungen (Hund) und am anderen Ende einen Verursacher (Herrchen). Von daher muss Herrchen natürlich zuerst therapiert werden. Wir benötigen also erstmal eine ordentliche Portion Selbstvertrauen. Sagen wir uns also: “Ich bin der Boss, ich entscheide was hier passiert und mein Hund wird das machen was ich will!!!”. Oder anders ausgedrückt:

Wir haben also erst mal unsere Einstellung überarbeitet und gehen die Sache locker an. Zuerst muss klar sein, dass Mr. Molosser nicht bösartig ist sondern

a.) völlig überdreht und
b.) meint er könnte mir vorschreiben was er will

Um ganz ehrlich zu sein ist Quintus aufgrund besonderer Umstände etwas zu kurz gekommen, was paradoxer Weise dazu führt, dass man sich wohl etwas zu viel um ihn kümmert und ihm zu viel durchgehen lässt.

Sein überdrehen führt auch mal dazu, dass man aus der Haut fährt und ihn unbeherrscht anschnauzt. Man wird also für den Hund eher unberechenbar, da er den Zusammenhang gar nicht hinbekommt. Bin ich für ihn unberechenbar, wird er mich nicht so ganz als “El Cheffe” akzeptieren, als Fütterungs- und Bespassungsmaschinerie schon. Von daher nehmen wir uns zurück und kommen zu Regel Nummer 1:

Der Hund ist nicht der Mittelpunkt des Universums

Der Hund liegt gedüllig im Haus rum und achtet man darauf kann man feststellen wie häufig man zu ihm rüber schaut. Einfach so, weil er gerade irgendetwas treibt etc. Das stellen wir mal sofort ab. Der Hund wird also nur noch ganz bewusst direkt angeschaut. Man hat ihn natürlich noch im Blickwinkel, aber kein direkter Blick. Wir teilen ihm also mit, zur Zeit habe ich null Interesse an dir. Das schließt natürlich nicht aus, dass wir mal zu ihm hingehen und ihn streicheln. Immerhin haben wir es hier mit einer Dogge zu tun und die braucht Aufmerksamkeit. Trotzdem kann sie nebenbei laufen und nur einer entscheidet, wann die ungeteilte Aufmerksamkeit zu haben ist. Quintus beobachtet den Verhaltenswechsel zuerst mal mit Argwohn und zeigt nach kurzer Zeit das erwartete Verhalten. Er fängt an sich anzubiedern! Und genau da kommen wir wieder zurück zum Anfang, er will Aufmerksamkeit und ich will sie ihm nicht geben, nicht seine Entscheidung. Würde ich jetzt anfangen seine Versuche mit einem Wegschuppsen zu quittieren, hätte ich den Kampf schon verloren. Sitze ich z.B. am Tisch auf meinem Stuhl, fange ich an ihn zu blocken und das ohne ihn eines Blickes zu würdigen. Am Laptop schreiben hilft z.B. 😁 . Kurze Zeit später stapft er zu seinem Platz und legt sich hin. Gestreichelt wird er wenn ich Lust dazu habe und nicht wenn ihm langweilig ist. Und wir provozieren hübsch unerwünschtes Verhalten. Man macht sich z.B. in der Küche was zu Essen und von der Seite kommt garantiert ein gieriger Doggenschädel um am Essen zu schnüffeln… Wir schieben ihn vorsichtig mit dem Bein zurück und blocken danach mit dem Körper ab indem wir uns immer so drehen, dass er keine Chance hat sein Ziel zu erreichen. Dabei wird er weder angeschaut noch irgendwas kommentiert. Ein paar mal zelebriert und siehe da, ein Stückchen hinter mir steht Quintus und wartet ab was passiert. Die Runde ging dann schon mal an mich. Jetzt aber aufgepasst, er wird noch einige Male neue Anläufe nehmen. Auch wenn es 10x gut gegangen ist, ein Hund wird es immer wieder mal probieren. Dann ein weiteres Problem, sein Spieltrieb. Er schnappt sich irgendwas und wenn man es ihm abnehmen will saust er wie von der Tarantel gestochen in der Wohnung hin und her. Ein ziemlich deutliches “fang mich doch wenn Du kannst”. Da der Mensch meistens “schlauer” ist, kann man das Problem lösen indem man den Abstand zu einer Wand verkürzt und ihn da erwischen. Dann holt man ihm das Teil aus dem Maul und schwupps Hundi hat gewonnen. Warum? Zwar hat er festgestellt, dass man durchaus in der Lage ist ihn zu fangen, aber man hat sich auf das Spiel eingelassen und wieso sollte er es dann nicht bei Gelegenheit wiederholen? Die bessere Variante, links liegen lassen. Und das funktioniert am Besten indem man ihm gar nicht die Wahl lässt. Ich drehe mich um und gehe ohne ihn zu beachten z.B. in die Küche und mache etwas scheinbar voll wichtiges. Sekunden später macht es in der Ferne plong und ein gewisser Hund kommt in die Küche um zu sehen was ich dort mache. Phänomenal wie so kleine Maßnahmen Quintus Verhalten im Haushalt verändern. Natürlich treffe ich auch die Entscheidung jetzt wird gespielt, nur was entscheide ich und ich beende das Ganze dann auch wieder bevor er selbst auf die Idee kommt. Beim Spiel bieten sich längliche Dinge zum darauf kauen an. Apportieren funktioniert bei Doggen sowieso nicht so prima, was aber alle gerne machen ist z.B. auf einem Stöckchen zu kauen, während man es in der Hand hält. Dabei kann er gleich prima üben: “meine Hand gehört nicht in seine Schnauze”. Wird es zu eng bekommt er ein Vorsicht und siehe da, dass Konzept ist schnell verstanden. Immerhin ist Don Krawallo ja nicht dumm.

et Biedl


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